Katastrophe vor der Haustür: Die Flutkatastrophe

2. August 2021 | Globale Nachhaltigkeit

Auch einige Zeit später ist die Fassungslosigkeit immer noch groß: Mitte Juli sorgten andauernde Unwetter und Starkregen dafür, dass es im Westen Deutschland zu einer Flutkatastrophe kam. Viele Menschen starben und ganze Städte und Dörfer wurden zerstört. Viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz: Von Häusern und Wohnungen ist oftmals nichts übrig geblieben. Nun melden sich einige Stimmen aus der Bevölkerung, dass zwischen der Flutkatastrophe und dem Klimawandel ein Zusammenhang besteht und fordern rigorose Änderungen in der Klimapolitik und im Katastrophenschutz. Die Flut – Folge des Klimawandels? In diesem Artikel informieren wir euch über die komplexen Zusammenhänge von Klima und Katastrophen.

Feldweg, überflutet.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Extremwettererscheinungen?

Extremwettererscheinungen sind außerordentliche Wettererscheinungen wie Starkregen, schwere Gewitter, orkanartige Windböen oder eine langanhaltende Dürre. Ob solche Wetterlagen extrem sind, hängt beispielsweise auch vom beobachteten Gebiet ab – niemand wundert sich, wenn in Deutschland beispielsweise Schnee fällt, in Tunesien wäre er jedoch sehr ungewöhnlich und somit extrem. Auch die Dauer beziehungsweise die Intensität kann eine Wetterlage zu einer Extremwetterlage machen. Wetter ist also dann extrem, wenn es in der Art statistisch selten ist in Bezug auf Wiederkehr, Größe und Dauer.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert für die Zukunft mehr Extremwetter. Tatsächlich ist es äußerst komplex und schwierig, zwischen einzelnen Extremwetterereignissen und dem voranschreitenden Klimawandel einen Zusammenhang herzustellen. Einziges – und überzeugendes – Indiz für diese Kausalität ist die beobachtete Zunahme und Häufung von Extremwetterereignissen.

Attributionsforschung: Verfeinerte Klimamodelle und neue Berechnungen finden Zusammenhänge

Die Zuordnungsforschung oder auch Attributionsforschung beschäftigt sich besonders mit dem Zusammenhang zwischen Extremwetter und dem Klimawandel. Klima ist im Gegensatz zum kurzfristigen Wetter eher ein langfristiger Untersuchungsgegenstand. Über einen langen Zeitraum werden viele Einzelbeobachtungen gesammelt, welche erst dann Rückschlüsse über das Klima erlauben.

Seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 hat sich die Durchschnittstemperatur in Deutschland bereits erhöht: Es wurde bereits >1,6 Grad Celsius Temperaturanstieg verzeichnet. Was für viele immer noch nach einem tollen Sommer klingt, wird aber in Wahrheit schon lange zum Problem – eine Erwärmung um nur einen Grad sorgt dafür, dass die Luft alleine 7% mehr Wasser fassen kann. Tiefdruckgebiete können sich über dem Mittelmeer aufsaugen wie Schwämme und regnen sich dann in Mitteleuropa ab. Durch die starke Sonneneinstrahlung ist der Kontinent jedoch schon erwärmt und die feuchte Luft vom Mittelmeer ist hingegen kühler – die Wahrscheinlichkeit für heftige Unwetter und Starkregen steigt.

Folge des Klimawandels ist aber nicht nur eine Veränderungen der mittleren Temperatur, sondern es verändern sich auch die Extremwerte. Aber nicht nur Hitzewellen und Dürreperioden treten ein – und werden mittlerweile fast schon als normal empfunden – sondern auch Starkregen mit einhergehenden Schlammlawinen, Überschwemmungen und Hochwasser wird mit steigenden Temperaturen noch häufiger. Unwetterpotenzial kann vorausgesehen werden – wo aber die mehr als hundert Liter Regen pro Quadratmeter fallen werden, kann in den wenigsten Fällen überhaupt prognostiziert werden.

Die Flut im Westen Deutschlands – Folge des Klimawandels?

Über die Ufer getretener Fluss

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Klimawandel Extremwetterereignisse statistisch wahrscheinlicher macht. Beobachtungen der letzten Jahre bestätigen diese Aussage. Außerdem steht ebenfalls fest, dass die Häufigkeit von Extremwetterlagen in Deutschland analog dazu ebenfalls steigt – es gibt zwar regionale Unterschiede, aber Voraussagungen von Katastrophen sind nach wie vor schwierig zu tätigen.

Im Westen Deutschlands, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, fand genau so ein Extremwetterereignis statt. Der physikalische Anlass für die Katastrophe war der starke Niederschlag. Dennoch wäre es zu einfach, diesen alleinverantwortlich für die Katastrophe zu machen: Eine weitere Erklärung für die Ausmaße der Katastrophe wären ein unzureichender Katastrophenschutz sowie spezielle Gegebenheiten.

Es gibt bisher noch keine belastbaren Daten, die festzustellen vermögen, dass der Katastrophenschutz nicht ausreichend vorbereitet war. Es scheint jedoch bisher so, dass ein Niederschlag in der Heftigkeit nicht vollkommen außerhalb des Vorstellbaren gelegen habe. Was allerdings ebenfalls problematisch ist und nichts mit der Klimakatastrophe zu tun hat: In den Katastrophengebieten können auch spezielle Gegebenheiten vor Ort dafür gesorgt haben, dass die Flut ein solches Ausmaß erreichen konnte. Dichte Bebauung ehemaliger Auen, Flussbegradigungen sowie Flächenversiegelungen – all das kann ebenfalls mit in die Katastrophe eingespielt haben, zumal die Stabilität der Böden für den Kollaps vieler Häuser im Gebiet verantwortlich gemacht werden.

Fahrradständer im Hochwasser

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bezeichnet die Jahrhundertflut als „Einzelereignis“ und hält es für nicht haltbar, dass der Klimawandel für die verheerenden Ausmaße verantwortlich gemacht wird. Es gebe zwar eine Häufung schwerer Unwetter seit zwei Jahrzehnten, aber für eine wissenschaftliche Aussage über das Klima reiche diese Datengrundlage nicht aus. Eine Absage an diejenigen, die glauben, die Flutkatastrophe sei einzig und allein Folge des Klimawandels.

Nichtsdestotrotz werden die Forderungen nach unmittelbaren klimapolitischen Änderungen und Zielen lauter – ehrgeizige Ziele, die erst zur Jahrhundertmitte erreicht werden sollen, sind auf jeden Fall nicht mehr die richtige Lösung.

Die Klimawebsite Carbon Brief stellte eine interaktive Karte zusammen, auf der mit mehr als 350 wissenschaftlichen Studien eine Zuordnung von Extremwetterereignissen versucht wird. Diese Analyse zeigt, dass knapp 70% der untersuchten Extremwetterereignisse durch den menschengemachten Klimawandel entweder wahrscheinlicher oder aber stärker gemacht wurden. Auch wenn die Zusammenhänge bisher nicht deutlich scheinen, so lohnt sich doch gerade mit Blick auf die weltweiten Katastrophen unbedingt eine verschärfte Klimapolitik – auch in Bezug auf Plastik, Recycling und Ähnlichem, denn auch Plastik schadet dem Klima.

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