Drei Autoreifen in Nahaufnahme

Reifenabrieb: Hauptverursacher von Mikroplastik

Wie Autoreifen zum Plastikproblem beitragen

Dass Autofahren schlecht für die Umwelt ist, weiß jedes Kind. Dabei denken wir vorrangig an die giftigen Abgase, die aus dem Auspuff kommen. Was hingegen kaum Beachtung findet, ist der Reifenabrieb. Dabei gilt dieser als einer der Hauptverursacher von Mikroplastik. Wir erklären, wie die Gummipartikel in die Umwelt gelangen und was wir dagegen tun können.

Was ist Reifenabrieb?

Reifenabrieb auf AsphaltDurch die Reibung auf der Straße wird das Gummi im Reifen aufgeraut, so dass sich einzelne Gummipartikel mit jeder Fahrt ablösen. Dieser Reifenabrieb ist ganz normal und bei KFZ-Reifen genauso vorhanden wie bei Fahrradreifen und den Rollen von Skateboards. Bei hoher Geschwindigkeit, kurvenreichen Fahrten und im Stop-and-Go-Verkehr ist der Reifenabrieb aber besonders groß. Der natürliche Abrieb sorgt dafür, dass man in einer Kurve nicht aus der Straße fliegt und selbst bei erhöhter Geschwindigkeit gefahrenlos fahren kann. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist hoch. So bleiben die abgelösten Gummiteilchen vielleicht zunächst auf der Straße liegen. Spätestens mit dem nächsten Regen werden sie jedoch in die Umwelt gespült und gelangen so auch in die Böden, Flüsse und Ozeane.

Reifenabrieb – Gefahr für uns und unsere Umwelt

Ein Reifen legt in seinem Leben durchschnittlich 40.000 Kilometer zurück ehe er entsorgt wird. Das ist meist nach etwa vier Jahren der Fall. Das Erschreckende: Zu diesem Zeitpunkt wiegt der Reifen 1 bis 1,5 Kilogramm weniger als direkt nach seiner Herstellung. Dieser Gewichtsverlust ist dem natürlichen Reifenabrieb zuzuschreiben.

Neben dem Mikroplastik, das eine große Belastung für uns und unsere Umwelt darstellt, beeinflussen aber noch weitere Faktoren von Reifenabrieb die Ökobilanz des Autofahrens negativ. So werden damit nicht nur feinste Plastikteilchen, sondern auch Hunderte teils hochgiftige, krebserregende Substanzen freigesetzt, die die Natur zusätzlich belasten. Zink, Blei, Cadmium und Weichmacher sind nur einige wenige davon. Genau wie Mikroplastik reichern diese sich in der Natur an ohne sich zu zersetzen. Organismen nehmen sie auf, sind aber nicht dazu in der Lage, diese wieder abzubauen, was zu enormen gesundheitlichen Belastungen führen kann. Auch der Mensch ist von diesem Problem betroffen. In Form von Feinstaub nehmen wir die gesundheitsgefährdenden Partikel direkt mit unserer Atemluft auf.

Reifenabrieb größter Verursacher von Mikroplastik

Im Jahr 2017 hat das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in einer Studie untersucht, was die Hauptverursacher von Mikroplastik sind. Dabei wurden 51 relevante Quellen identifiziert. Die so oft kritisierten Mikroplastik-Partikel in Kosmetika liegen mit 19 Gramm pro Kopf und Jahr gerade einmal auf Platz 19. Unangefochtener Spitzenreiter ist hingegen der Reifenabrieb. Knapp 1.230 g verbraucht damit jeder von uns alleine in Deutschland jedes Jahr. Dabei machen PKW mit 998 g den weitaus größten Anteil aus. Es folgt weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz die Freisetzung von Mikroplastik bei der Abfallentsorgung (302,8 g) und auf Platz 3 der Abrieb von Bitumen in Asphalt (228 g). Forscher gehen davon aus, dass jedes Jahr zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen landen. Rund ein Viertel (28,3%) soll von abgefahrenen Reifen stammen. Diese Zahlen machen deutlich, dass dringend Handlungsbedarf besteht.

Stau auf Autobahn

Nicht nur die Verbraucher sind in der Pflicht, etwas zu ändern

Die Medien nehmen immer wieder den Verbraucher in die Pflicht und fordern diesen auf, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Unrecht haben sie damit natürlich nicht. Jeder von uns kann eine Menge zur Reduzierung von Mikroplastik beitragen, indem wir häufiger zu Fuß gehen, die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad benutzen. Wenn eine Autofahrt sich nicht vermeiden lässt, sollte man riskante Fahrmanöver und unnötiges Beschleunigen vermeiden – das gefährdet nicht nur die Natur, sondern auch unsere Mitmenschen.  Außerdem kann man schon beim Autokauf den Verschleißfaktor als wichtiges Kriterium in die Kaufentscheidung einfließen lassen.

Damit überträgt sich ein großer Teil der Verantwortung auf die Hersteller. Diese sind dazu angehalten, ihre Produkte so zu entwickeln, dass diese möglichst einfach recycelt werden können und der Belastungsfaktor für die Umwelt sich auf ein Minimum beschränkt.  Erfreulicherweise haben erste Reifenhersteller das Problem nun erkannt und suchen nach Lösungen. So setzt sich das Tire Industry Project, eine Initiative von elf führenden Reifenherstellern, für mehr Nachhaltigkeit in der Automobilindustrie ein und versucht, den Reifenabrieb so weit wie möglich zu reduzieren. Auch erste Pläne von luftlosen Reifen aus biologisch abbaubarem Recyclingmaterial liegen bereits vor. Bis diese serienmäßig produziert werden, werden aber noch einige Jahre ins Land gehen.

Und hier liegt es nicht zuletzt an der Politik, verbindliche Regelungen aufzustellen, die die Hersteller dazu verpflichten, recyclingfreundliche Produkte zu entwickeln. Auch die Verkehrsführung selbst bedarf einer Optimierung. So könnten durchdachte Straßenführungen und intelligente Ampelschaltungen zu einer wesentlichen Senkung des Reifenabriebs beitragen. Im Gespräch sind auch optimierte Straßenreinigungen mit speziellen Filtersystemen. Ob diese den gewünschten Effekt erzielen, bleibt jedoch fraglich. Schließlich könnte ein solches System die Sensibilität der Problematik nicht deutlich genug machen und Autofahrer folglich nicht dazu motivieren, den PKW öfter mal in der Garage zu lassen.


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