Sind Plastik Verbote eine Idee? Gibt es Alternativen?

Sind Verbote die Lösung?

Die Bilder des Tauchers, der an der Küste vor Bali Unmengen von Plastik im Meer gefilmt hat, sind viral gegangen. Je mehr über die Ausbreitung von Plastik in den Weltmeeren bekannt wird, desto größer ist die Bestürzung. Gute Vorsätze folgen: Beim nächsten Einkauf wird weniger Plastik gekauft und auf den Coffee-to-go-Becher wird erst recht verzichtet. Lange halten die Vorsätze meist nicht – immer wieder siegt die Bequemlichkeit oder auch der Mangel an Alternativen. Wie wäre es also mit einem generellen Verbot verschiedener Plastikprodukte?

EU-Plastik Verbot

Die EU hat ein Verbot diverser Plastikprodukte, die man einfach durch Alternativen ersetzen kann, bereits beschlossen. Nun ist es an den Mitgliedsstaaten dieses Verbot umzusetzen. Für diese neun Produkte aus Plastik heißt es dann Lebewohl:

  • Trinkhalme
  • Besteck
  • Teller
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen für Heißgetränke
  • dünne Plastiktüten
  • Wattestäbchen
  • Getränkeverpackungen aus erweitertem Polystyrol
  • so genanntes „oxo-abbaubares Plastik“ – ein Material mit Metallbeimischung

Deutschland hat sich verpflichtet diese Verbote bis 2019 umzusetzen. Aus gutem Grund: Allein in der EU werden jedes Jahr 36,5 Milliarden Plastikstrohhalme verwendet. Da wohl kaum jemand seinen Einwegstrohhalm mit nach Hause nimmt und dort immer wieder benutzt, kann man sich die entsprechende Menge Abfall in etwa errechnen. Beeindruckende Zahlen, durchaus. Dennoch: der Verzicht auf Strohhalme und Wattestäbchen löst das Plastikmüllproblem nicht. Was ist mit Einwegflaschen, Verpackungen von Obst, Gemüse und Süßigkeiten, was mit in Plastik verpackten Kosmetikprodukten? Wer denkt an Mikroplastik, das durch den Abrieb von Schuhsohlen und Autoreifen in die Umwelt gerät? Wer verzichtet ab 2019 auf Kaffeekapseln, Joghurt und Smoothies im Plastikbecher?

Die Liste könnte noch lange so weitergehen. Kritische Stimmen fordern deshalb, die Verbote der neun Produkte dürften nur ein Anfang sein. Aber sind Verbote wirklich die Lösung des Plastikproblems?

Im Meinungsartikel „Ich will Verbote“, der 2017 in der ZEIT erschienen ist, schreibt Autor Sebastian Dalkowski:

„Unser Konsum schadet auch uns selbst, klar, aber am meisten schadet er anderen. Denen, die mit uns auf der Erde leben, die wir nicht sehen, weil sie weit weg wohnen. Und denen, die nach uns noch hier leben wollen.“ Und weiter: „Freiwillig allerdings verzichten die wenigsten. Eine Weile hat man das ja versucht: mit Aufrufen, weniger Fleisch zu essen, für kurze Wege das Fahrrad zu benutzen, beim Einkaufen einen Stoffbeutel mitzunehmen. Hat alles nichts gebracht. Gute Vorsätze funktionieren meist nur vorübergehend, danach siegt die Bequemlichkeit. Es ist schon schwer genug, sich das Rauchen abzugewöhnen oder ein paar Kilo abzunehmen – dabei steht da sogar der eigene Nutzen im Vordergrund.

Dalkowski leitet daraus ab, dass Verbote der einzige Weg seien die Menschen gerade noch rechtzeitig dazu zu bewegen etwas an ihrem Konsumverhalten zu verändern. Auf sich allein gestellt, gewänne immer wieder die Bequemlichkeit, die Gewohnheit oder auch einfach nur das Gefühl, dass man alleine doch nichts ausrichten könne.

Eine streitbare Idee

Die Kommentare unter dem Artikel des Autors machen die Streitbarkeit dieser Argumentation deutlich. Angst vor Bevormundung und einer Einschränkung der persönlichen Freiheit bestimmen die Sorgen der Kritiker. Genau diese Freiheit ist aber fraglich. Wie frei entscheidet man tatsächlich was konsumiert wird? Ist die Idee der freien Entscheidung bis zu einem gewissen Grad nicht sowieso Illusion? Bestimmen nicht eher Angebot und Werbung was „gewollt“ und letztlich konsumiert wird?

Und vor allen Dingen: Wo kommen wir hin, wenn wir unsere vermeintliche Freiheit weiter ausnutzen und Umweltverschmutzung billigend in Kauf nehmen?

Was sind die Alternativen?

Es gibt Alternativen zu Plastik – marktreif gerade für die neun Produkte, die die EU verboten hat. Aber auch deren Potential zur Lösung des Problems beizutragen ist begrenzt. Es bleiben Einwegprodukte, deren Umweltbilanz durch CO2-Emissionen sowie einen enorm hohen Energie- und Ressourceneinsatz die des Plastiks nicht übertreffen kann. Sie können höchstens eine Übergangslösung darstellen.

Und dann ist da noch die Idee einer Plastiksteuer. Eine gute Idee – je nach Umsetzung birgt jedoch auch sie Gefahren. Wohlhabendere Menschen würden durch sie eventuell nicht dazu gebracht ihr Konsumverhalten zu ändern. Hersteller könnten an Löhnen und der Qualität ihrer Produkte sparen, um die finanziellen Verluste auszugleichen.

Eine Kursänderung ist nötig

Der  „Earth Overshoot Day“ markiert das Datum, an dem auf der Erde mehr Rohstoffe verbraucht worden sind, als während des gesamten Jahres nachhaltig gewonnen werden können. 1990 war das am 7. Dezember der Fall, 2018 war es schon der 1. August. In Deutschland haben wir dieses Jahr bereits ab dem 2. Mai über unsere Verhältnisse gelebt. Dass etwas geschehen muss ist klar.

Verhaltensweisen ändern sich nachhaltig, wenn die Entscheidung dafür aus jedem Individuum selbst kommt. Auch deshalb sind Verbote so umstritten. Doch reicht die Zeit aus, um auf die individuelle Einsicht zu warten? Und könnten Verbote nicht gerade dazu beitragen, die Relevanz und Ernsthaftigkeit des Problems in den Fokus zu rücken?

Der mündige Mensch möchte keine Verbote. Aber um es mit den Worten Dalkowskis zu sagen: „Verbote zu fordern heißt, die Fehlbarkeit des Menschen verstanden zu haben.“ Und Verbote des Konsums, beschränken noch lange nicht die politische Freiheit.

Vielleicht könnten Verbote deshalb viel mehr als Erleichterung gesehen werden – als Möglichkeit den inneren Schweinehund kollektiv zu besiegen. Eine Befreiung von der unlösbaren Aufgabe, mit individuellen Konsumentscheidungen die Rettung unserer Weltmeere zu erreichen und künftigen Generationen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen.

Eine streitbare Idee, aber eine, über die nachzudenken sich lohnt.


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