Zero Waste auf Reisen

6. Juni 2019 | Globale Nachhaltigkeit

Ob es die unzähligen Tübchen und Tiegelchen im Hotel sind, die Flasche Sonnencreme am Strand oder die Plastiktüte im Souvenirshop – auf Reisen begegnen uns Unmengen an Plastik. Kein Wunder also, dass viele Menschen plastikfreies Reisen für ein Ding der Unmöglichkeit halten. Dabei müssen ein Zero Waste Lebensstil und Reisen nicht zwangsläufig im Konflikt stehen. Wir verraten Dir 10 Tipps, mit denen Du Plastik im Urlaub ganz einfach vermeiden kannst.

Tipp 1: Plastikfrei fliegen

Essen im Flugzeug ohne Plastik
So könnte ein Flug ohne Plastik aussehen

Das Problem mit dem Plastik beginnt meist schon auf dem Hinflug. Besteck, Teller, Dessertschälchen und Trinkbecher – alles besteht aus Plastik. Während die meisten von uns auf einem innereuropäischen Flug gut auf eine Mahlzeit verzichten können, knurrt auf der Langstrecke früher oder später doch einmal der Magen. Die gute Nachricht: Die ersten Airlines versuchen nun bewusst auf Plastik zu verzichten, so auch die portugiesische Fluggesellschaft HiFly, die im Dezember 2018 den weltweit ersten plastikfreien Flug durchführte. Dabei handelte es sich zwar zunächst nur um einen Testversuch – doch seit Januar 2020 hat die Airline alle Plastik-Einwegprodukte von Bord verbannt.

Tipp 2: Eigene Trinkflasche einpacken

Eine Trinkflasche aus Edelstahl hilft den Konsum von Plastikflaschen zu reduzieren

Ein weiteres Problem, mit dem Fluggäste sich konfrontiert sehen: Das Verbot von Flüssigkeiten über 100 ml. Das zwingt viele Passagiere dazu, sich hinter der Zollkontrolle für teures Geld ein Getränk in der Plastikflasche zu kaufen. Da das Pfandsystem nur in Deutschland gilt, landet diese Flasche meist schon nach einmaliger Benutzung im Müll, denn nur die wenigsten bringen die Mühe auf, die Plastikflasche auf ihrer Rückreise wieder mitzunehmen. Was kaum jemand weiß: Leere Getränkebehälter kannst Du problemlos durch die Zollkontrolle befördern und anschließend mit Leitungswasser auffüllen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Trinkflaschen aus Edelstahl sehen nicht nur schick aus, sondern sind auch äußerst praktisch.

Im Zielland angekommen können Sie diese nach Belieben nachfüllen. Innerhalb Europas kannst Du Leitungswasser meist bedenkenlos trinken. Im außereuropäischen Raum solltest Du dich vor Reiseantritt darüber informieren, ob Leitungswasser unabgekocht trinkbar ist. In vielen Ländern Asiens, Afrikas und Südamerikas ist das nicht der Fall. Hier können spezielle Wasserfilter Abhilfe schaffen.

Tipp 3: Auf feste Kosmetikprodukte umsteigen

Festes Shampoo
Feste Kosmetikprodukte, wie zB. Shampoo, eignen sich gut zum Reisen

Gerade wenn Du nur mit Handgepäck reist, stellen Dich die Gepäckbestimmungen der Airlines vor zusätzliche Herausforderungen. Aus Sicherheitsgründen dürfen Sie nämlich nicht mehr als einen Liter Flüssigkeit in Behältnissen, die maximal 100 ml fassen, mit sich führen. Damit Du nicht unnötig viel Plastikmüll durch den Kauf von Reisegrößen produzierst, bietet sich der Umstieg auf Kosmetikprodukte in fester Form an. Ob es das Haarshampoo, das Duschgel oder der Rasierschaum sein soll – mittlerweile sind all diese Produkte in fester Form erhältlich. Wenn Du diese in einer kleinen Blechdose transportierst, beugst Du unnötiger Verschwendung vor und hältst Dein restliches Gepäck trocken.

Tipp 4: Jutebeutel mitnehmen

Ob im Supermarkt, am Souvenirstand oder im Schnellrestaurant: Beinahe überall erhält man beim Einkauf eine dünne Plastiktüte für den Transport der Waren. Verzichte bewusst darauf und packe stattdessen einen Jutebeutel in Deinen Koffer. Der nimmt weder Platz noch Gewicht weg, trägt aber eine ganze Menge zum plastikfreien Reisen bei.

Tipp 5: Auf Take-away verzichten

Ähnlich umweltschädlich wie Plastiktüten sind die Einwegverpackungen aus Plastik, in denen man Take-away Essen bekommt. Verzichte darum auch im Urlaub so gut es geht auf den Besuch in den bekannten Fast Food-Ketten und bei Imbissen, die ihre Speisen auf Plastiktellern servieren. In vielen Ländern bekommt man qualitativ hochwertiges Essen in Restaurants schon für kleines Geld. Unterstütze die lokale Bevölkerung, indem Du einer kleinen Garküche einen Besuch abstattest anstatt bei McDonalds, Burger King und Co. zu speisen. Natürlich kannst Du im Urlaub auch einfach selbst kochen. Viele Hostels und Privatunterkünfte verfügen über voll ausgestattete Küchen, in denen Du Deine Mahlzeiten problemlos selbst zubereiten kannst.

Tipp 6: Wiederverwendbare Behälter mitnehmen

Lunchbox aus Edelstahl
Lunchboxen aus Edelstahl sind nachhaltig und praktisch

Wenn Du noch etwas Platz im Gepäck hast, solltest Du auf einen wiederverwendbaren Behälter nicht verzichten. Darin lässt sich nicht nur eine kleine Mahlzeit für den Flug prima transportieren. Auch in Deinem Zielland angekommen erweist sich eine Lunchbox als sinnvolles Mitbringsel, mit dem Du Verpackungsmüll effektiv vermeiden kannst. Die Verpflegung für den Tagesausflug bleibt darin lange frisch und auch Schnellrestaurants und Imbisse werden Dir die bestellten Speisen sicher gerne direkt in Deine Brotdose legen, wenn Du freundlich darum bittest.

Tipp 7: Digitale Karten statt Papier

Bordkarten, Info-Flyer, Kartenmaterial… auf einer Reise kommt am Ende meist ganz schön viel Papiermüll zusammen. Doch auch das muss nicht sein. Spare Dir lästigen Papierkram, indem Du Deine Tickets in digitaler Form auf Deinem Smartphone abrufst. Auch auf ausgedruckte Karten kannst Du getrost verzichten, indem Du die Offline-Karten von Google Maps nutzt. Selbst bei wichtigen Dokumenten wie Ausweis, Impfpass und Reisepapieren ist es sinnvoll, diese in digitaler Form abzuspeichern. Sollten wichtige Dokumente verloren gehen, hilft Dir das bei den anschließenden bürokratischen Schritten enorm.

Tipp 8: Beim Beach CleanUp mitmachen

Beach Clean Up
Regelmäßige Beach CleanUps helfen der Umwelt

Ein Urlaub an einem unberührten Strand kann so schön sein – wenn da nicht der Müll wäre. Während die Privatstrände der Hotels meist penibel gereinigt werden, türmen sich an öffentlichen Stränden die Müllberge. Plastikmüll, der ins Meer gelangt, stellt eine riesige Gefahr für die Ozeane und seine Bewohner dar. Das scheint auch die lokale Bevölkerung nun zu erkennen. In immer mehr Ländern finden regelmäßige Beach CleanUps statt. Das sind riesige Aufräumaktionen, bei denen Freiwillige die Strände von dem Müll, der achtlos dort liegen gelassen wurde, befreien. Jeder, der Lust hat, kann sich daran beteiligen, so zum Beispiel bei der OperationRichCoast in Costa Rica, die mehrmals pro Woche Beach CleanUps im ganzen Land organisiert. Costa Rica gilt als das Land für nachhaltigen Öko-Tourismus und macht sich auf ganzer Linie für den Umweltschutz stark.

Tipp 9: Individualreisen statt AI-Urlaub

Zero Waste Reisen und Urlaub im All Inclusive-Hotel – das passt nicht zusammen. Die oft riesigen Luxusbunker sind auf den Massenkonsum ausgerichtet. Rund um die Uhr bekommt man Speisen und Getränke in rauen Mengen angeboten – mit Nachhaltigkeit hat das nicht mehr viel zu tun. Zu allem Übel werden die Getränke an der Poolbar nicht selten in Einweg-Plastikbechern serviert und der Burger am Grill auf einem Plastikteller.

Wer sich im Umweltschutz stark machen will, verzichtet komplett auf den All Inclusive-Urlaub und reist stattdessen auf eigene Faust. Das bringt den zusätzlichen Vorteil, dass man viel tiefer in die fremde Kultur eintauchen kann und mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt tritt. Wer dennoch nicht auf AI-Urlaub verzichten mag, kann mit ein paar Tipps schon viel zur Müllvermeidung beitragen. Dazu gehören der Verzicht auf die in Kunststoff verpackten Hausschluppen und hoteleigene Kosmetikproben sowie das mehrmalige Verwenden der Handtücher. Wir wissen zwar, dass ein frei zugängliches Speisenangebot dazu verleitet, sich den Teller bis oben hin zu beladen – gehe aber vielleicht doch lieber zweimal, wenn Du noch Hunger hast. So vermeidest Du, dass Essensreste im Müll landen.

Tipp 10: Nein sagen

Ob im Hotel, in der Ferienwohnung oder im Zelt – „Nein“ sagen ist eine wichtige Lektion auf dem Weg zum plastikfreien Reisen. Wenn Du einen Cocktail trinken möchtest, kannst Du diesen ohne Strohhalm bestellen. Und auch die Angebote der Souvenirverkäufer solltest Du dankend ablehnen – die meisten Urlaubsmitbringsel landen ohnehin nur als Staubfänger im Regal.

Wie Du siehst, ist Zero Waste Reisen zwar eine kleine Herausforderung, aber keinesfalls ein Ding der Unmöglichkeit. Wir hoffen, Dir mit unseren Tipps ein Stück weit weitergeholfen zu haben und wünschen Dir einen schönen plastikfreien Urlaub!

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