Luftverschmutzung in Thailand durch Zuckerrohrverbrennung

30. Januar 2020 | Globale Nachhaltigkeit

Lokale Zuckerrohranbauer in Thailand brennen nachts ihre Felder ab, obwohl die Behörden diese Praxis verboten haben. Es finden kaum Interventionen statt, um diese gängige Praxis einzudämmen, obgleich das Verbrennen des Zuckerrohrs eine der Ursachen, wenn nicht sogar die Hauptursache für die Rauch- und Dunstprobleme in verschiedenen Teilen des Landes ist. Besonders problematisch ist dies, da Zuckerrohr ganzjährig angebaut und folglich auch das gesamte Jahr kontinuierlich verbrannt wird.

Landwirte verbrennen das Zuckerrohr lieber – zeitsparender, günstiger, einfacher

Für lokale Landwirte in Thailand lohnt es sich finanziell mehr, Felder vor der Ernte niederzubrennen. Für die Arbeiter ist dies angenehmer, da die Ernte des frischen Zuckerrohrs durch Blätter, Mücken und Schlangen erschwert wird. Das erleichtert die Arbeit, da die Zuckerstangen dabei zurückbleiben. Indem sie die riesigen Plantagen verbrennen, vermeiden sie außerdem die lange Wartezeit für die Erntemaschinen.

Verbrennung von Zuckerrohr

Auch wenn die Regierung immer wieder Zusicherungen macht, lokale Landwirte zu unterstützen und mit Erntemaschinen auszustatten, werden diese nicht in die Tat umgesetzt. Das berichtet unter anderem die “Bangkok Post”, eine englischsprachige Tageszeitung, die in Bangkok erscheint.¹  Um dem Konkurrenzdruck nicht zu unterliegen, bleiben die Bauer bei ihren alten Gewohnheiten und Räumen die Plantagen durch Verbrennung. Für sie ist es sowohl günstiger als auch zeitsparender, wenn sie das Zuckerrohr vor der Ernte verbrennen.

Landwirte ignorieren das Verbot Zuckerrohrfelder zu verbrennen

Die Behörden in Thailand haben das Abbrennen von Zuckerrohrfeldern 2019 verboten, um die gefährlichen feinen Rauchpartikel unter  Kontrolle zu halten und den Smog einzudämmen. Dieses Gesetz hindert die lokalen Bauer dennoch nicht daran, die Verbrennungen einzustellen.² Der einzige Unterschied ist heute, dass die Zuckerrohrfelder nachts angezündet werden, um sich der gesetzlichen Regelung zu entziehen.

Der gesundheitsschädliche Rauch zieht in die nah gelegenen, dichtbesiedelten Städte und stellt eine erhebliche Gefahr für die Bewohner dar. Chiang Mai beispielsweise belegt aufgrund dessen Platz 6 der an meisten verschmutzten Städte der Welt, wie die thailändische Nachrichtenagentur “The Thaiger” berichtet.³

Smogbedeckter Himmel in Chiang Mai

Messungen der Luftverschmutzung durch die Verbrennung der Zuckerrohrfelder

Das trotz des Verbots fortgeführte Verbrennen des Zuckerrohrs hat in Nakhon Sawan (Zentralasien) dazu geführt, dass Messungen der PM2,5-Partikel Werte direkt danach sogar über dem durchschnittlichen Standardwert lagen. In diese Messung fließt neben dem Rauch auch der erzeugte Smog der Kohlekraftwerke (in Mae Mo) ein. Doch was genau bedeutet eine Feinstaubkonzentration von PM2,5?

PM2,5-Staub und gesundheitliche Gefahren des Feinstaubs

Wenn hier von PM2,5 die Rede ist, bezieht sich dieser Messwert auf atmosphärische Feinstaubpartikel mit dem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern.^4 Das entspricht etwa 3 % des Durchmessers eines menschlichen Haares. PM2,5-Feinstaub ist äußerst schädlich, da die winzigen Partikel klein genug sind, um durch die Luft in die Lunge zu gelangen. Erst einmal in den Blutkreislauf gelangt, kann der Feinstaub bei Langzeitbelastung zu Atmenwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Lungenkrebs und Schlaganfall. Bereits durch die Belastung von niedrigen Grenzwerten kann es zu einer Verminderung der Lebenserwartung kommen.^5

Thailand: „Sicherheits“-Grenzwert für Feinstaubbelastung

In Thailand beträgt der derzeitige „Sicherheits”-Grenzwert 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.^6 Um ein Gefühl für die Feinstaubbelastung zu entwickeln, helfen internationale Richtlinien: Die Weltgesundheitsorganisation legt einen oberen Grenzwert von 25µg/m³ fest. Im Vergleich hierzu ist die sogenannte „Sicherheits“-Grenze in Thailand, also die Obergrenze für die Feinstaubbelastung, doppelt so hoch. Die Luftverschmutzungswerte Werte PM2,5 werden in Thailand in folgende Kategorien einer Skala eingeteilt:

  • 0 bis 50: Gut
  • 50 bis 100: Mäßig
  • 100 bis 159: Ungesund für Empfindliche
  • 150 bis 200: Ungesund
  • 200 bis 300: Sehr ungesund
  • 300 bis 500: Gesundheitsgefährdend

Die Weltgesundheitsorganisation warnt davor, dass das Einatmen von bereits 100 Mikrogramm PM2,5 als sehr gesundheitsschädlich für gesunde Menschen sei. Da die Luftverschmutzung zu einer unkontrollierbaren Gefahr für die Bewohner vieler Städte in Thailand geworden ist, bereitet die Polizei bereits Maßnahmen vor, um der hohen Feinstaubpartikel-Messung von PM2,5-Partikel entgegenzuwirken. Bislang stellt sich dieses Unterfangen jedoch als sehr schwierig heraus, da die Landwirte weiterhin nachts das Zuckerrohr in Massen verbrennen, um einfacher und schneller ernten zu können.

Auch wenn erste Erfolge in einigen Teilen des Landes zu verzeichnen sind, ist die Luftqualität in nördlichen Teilen des Landes weiterhin besorgniserregend. Insbesondere in den Provinzen Lampang, Lamphun, Nan, Phrae, Phayao und Tak liegen die PM2,5-Werte nach wie vor über den sicheren Werten, wie thailändische Nachrichtenagenturen melden.^7 Im Vergleich zur Obergrenzen der Weltgesundheitsorganisation, die bei der Hälfte der thailändischen Sicherheits-Grenze liegt,  ist dieser Wert noch viel erschreckender.

Gesundheitsgefährdende Feinstaubpartikel

In Chiang Mai werden regelmäßig katastrophale Werte gemessen und Wissenschaftler fordern schon lange die Regierung auf, den Ausnahmezustand zu erklären.  In der Provinz Phrae wurde Anfang Januar 2020 ein PM2,5-Staubpartikel-Wert von über 140 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen und in Lampangs Mae Mo-Distrikt Werte von über 180.^8  Und auch in Bangkok mussten über 400 Schulen schließen, weil die Luftverschmutzung einen Wert von über 119 erreichte.  Immer wieder steigen die Werte in Bangkok so hoch, dass die Stadt in Bezug auf die Luftverschmutzung an dritter Stelle hinter Australien (Canberra) und Neu-Delhi (Indien) liegt.^9

Diesen Wert stuft die Weltgesundheitsorganisation als „gefährlich“ ein. Der Smog ist immer wieder so dicht, dass er die Sicht extrem einschränkt und sogar Flugzeuge umgeleitet werden müssen. Als Schutzmaßnahme empfahl man den Einheimischen, Wasser zu versprühen.^10

Folgen für die Bevölkerung durch Verbrennung auf Zuckerrohrfeldern

Das Beispiel von Nakhon Sawan in Zentralthailand zeigt, wie gravierend die Folgen des Rauches für die unmittelbar angrenzende Bevölkerung sind. Angrenzende Schulen der nördlichen Provinz Lampang mussten auf Grund der immensen Luftverschmutzung und den erhöhten Messwerten für einen längeren Zeitraum schließen.^11 In diesem Zeitraum sollen die Menschen sich außerdem in geschlossenen Räumen aufhalten. Schließungen von Hunderten Schulen sind keine Seltenheit, sondern bittere Realität, die aus der Luftverschmutzung insbesondere durch Verbrennungen der Zuckerrohrfelder resultiert.

Besonders gravierend ist die Luftverschmutzung aufgrund  der immensen lebensbedrohliche Gefahr, die von Feinstaub-Partikeln ausgeht: Alleine im Jahr 2015 starben laut Greenpeace 37.500 Menschen in Thailand an den Folgen der Luftverschmutzung.^12

Wieso die Bewohner in Thailand Wasser sprühen sollen, um sich vor der Feinstaubbelastung zu schützen

Wasser zu sprühen soll gegen den Smog-Schleier helfen

Aufgrund der Feinstaubbelastung von erschreckenden 134 Mikrogramm pro Kubikmeter wurden die Bewohner von Phrae dazu aufgefordert, Wasser zu sprühen. Und das aus einem cleveren Grund: Das Bewässern einer Stadt (in bestem Fall natürlich über Sprinkleranlagen) hilft dabei, der Luftverschmutzung und dem dichten „Smog“-Dunstschleier entgegenzuwirken. Das Wasser in der Atmosphäre simuliert natürliche Niederschläge. Die umweltfreundliche Idee einiger Wissenschaftler, Sprinkleranlagen zu verwenden, würde auf Dauer helfen, die Feinstaubbelastung zu senken, ohne auf chemische Zusätze zurückzugreifen.

Augenscheinlich ist dies jedoch keine dauerhafte Lösung. Giftige Gase und Feinstaubpartikel werden so oder so an die Luft abgegeben und insbesondere kleinere Dörfer und Provinzen können mangels finanzieller Mittel nicht rund um die Uhr mit Sprinkleranlagen bewässert werden. Der Ansatz muss sein, die Verbrennung von Zuckerrohr zu verhindern, indem man den Bauern ein lukratives Angebot macht.

Lösung für Thailands Feinstaubbelastung: Weniger Luftverschmutzung durch Weiterverarbeitung von Zuckerrohr (Bagasse)

Aus den Resten des Zuckerrohr lässt sich Bagasse gewinnen

Da das Verbrennen von Zuckerrohr auf den Feldern eine der wichtigsten, wenn nicht die Hauptursache für die Rauch- und Dunstprobleme in vielen Teilen Thailands ist, ist es besonders wichtig, Lösungen für dieses Problem aufzuzeigen. Besonders gut eignen sich die Zuckerrohrreste (Bagasse) für die Herstellung von plastikalternativen Einwegprodukten.

Es mag im ersten Augenblick nicht besonders nachhaltig erscheinen, Zuckerrohr unter immensem CO²-Ausstoß nach Europa zu schiffen. Bedenkt man allerdings, wie hoch die Luftverschmutzung, der Smog, ist, der durch das tägliche Verbrennen von Zuckerrohr auf den Feldern entsteht, rentiert es sich ökologisch erwiesenermaßen, das viele Zuckerrohr weiterzuverarbeiten.

Nachhaltiges Bio-Einweggeschirr aus Bagasse (Zuckerrohr)

Gerade im Bereich Einwegplastik ist es wichtig, sich mit ganzheitlich biologisch abbaubaren sowie nachhaltigen Alternativen auseinanderzusetzen. Da wir hierzulande kein vergleichbares, natürliches Material wie Zuckerrohr besitzen, aus welchem man  große Mengen an Bio-Einwegverpackungen und Einweggeschirr herstellen kann, welches in der Funktion mit Plastik-Tellern, -Bechern, -Verpackungen und Co mithalten kann, ist Bagasse die nächste, nachhaltige Alternative.

Und nachhaltig sind Bio-Einweggeschirr und Einwegverpackungen besonders deswegen, weil die Zuckerrohrfasern (Bagasse) das Nebenprodukt während der Zuckerfabrikation bilden. Durch die Weiterverarbeitung wird aus dem Abfallprodukt, welches massenweise in Thailand verbrannt wird, ein wertvoller Rohstoff. Hierfür müssen weder Wälder gerodet, noch müssen unnötig Ressourcen verschwendet werden.

Das Bio-basierte Material ist sowohl in der Herstellung als auch in der Entsorgung nachhaltig und umweltschonend. Bagasse ist von Natur aus besonders widerstandsfähig und wasserundurchlässig. Es lässt sich leicht in Form pressen und zu Tellern, Bechern, Menü-Boxen, Lunch-Boxen, Hamburger-Boxen und Schalen formen. Diese kommen ganz ohne zusätzliche Kunststoffbeschichtung aus und sind zudem fettresistent, robust, formstabil, hitzebeständig bis zu einer Temperatur von 250 °C und weichen nicht durch. Und dabei sind das Bio-Einweggeschirr und Einwegverpackungen aus Zuckerrohr zu 100 % biologisch abbaubar, recycelbar und kompostierbar.

Viele Landwirte können sich eine Rohrschneidemaschine nicht leisten

Das Smog-Problem in Thailand stellt alle Beteiligten vor eine große Herausforderung. Auch wenn bereits das Verbot besteht, verbrennen die Landwirte weiterhin massenweise Zuckerrohr. Die meisten Landwirte können sich die Rohrschneidemaschinen nicht leisten. Durch die Zusammenarbeit mit den Bauern, die Bereitstellung der Maschinen und das Abkaufen der Zuckerrohrrestfasern, wird gezielt die Hauptursache für die Luftverschmutzung eingedämmt. Gleichzeitig etabliert sich durch die Weiterverarbeitung in Bio-Einwegprodukte – und Einwegprodukte stellen nun einmal einen großen Absatzmarkt in Europa und bei uns in Deutschland dar –  eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Plastikprodukten in unserer Gesellschaft.

Quellenangaben:

  1. Bangkok Post, Sugarcrane growers defy burning ban, vom 13. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
  2. The Thiger, Central Thailand farmers ignore orders to stop burning off their sugar crane, vom 13. Januar 2020. abgerufen am 28. Januar 2020.
  3. The Thiger, Central Thailand farmers ignore orders to stop burning off their sugar crane, vom 13. Januar 2020. abgerufen am 28. Januar 2020.
  4. Umweltbundesamt, Feinstaub (PM2,5), abgerufen am 28. Januar 2020.
  5. Umweltbundesamt, Feinstaub (PM2,5), abgerufen am 28. Januar 2020.
  6. The Thaiger, 2015 plan dustet off as North suffers severe pollution levels, vom 30. Januar 2020, abgerufen am 30. Januar 2020.
  7. The Thaiger, Air quality improves in Bangkok, North still battling some haze, vom 27. Januar 2020, abgerufen am 30. Januar 2020.
  8. Bangkok Post, PM2,5 level hits 189 in the North, vom 28. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
  9. Bangkok Post, Bangkok on high alert as PM2,5 levels forecast to rise, vom 09. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
  10. The Thaiger, Severe air pollution forces Nok Air flight back to Bangkok, vom 28. Januar 2020, abegerufen am 28. Januar 2020.
  11. The Thaiger, Pollution closes Lampang schools, vom 28. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
  12. Greenpeace, Thailand suffers from poor air quality and fails to meet Sustainable Development Goals, vom 08. August 2017, abegrufen am 28. Januar 2020.
  13. Bangkok Post, Bangkok has world’s third worst air quality, vom 09. Januar 2020, abgerufen am 28. Januar 2020.
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