Plastik Recycling: Darum recyceln wir so wenig Plastik

Recycling vs. Verbrennung: Darum recyceln wir so wenig Plastik

Deutschland ist Spitzenreiter im Plastikverbrauch. So haben die Deutschen im Jahr 2016 laut Umweltbundesamt insgesamt 18,16 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. 5,5 Millionen Tonnen davon stammen aus Privathaushalten, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von 220,5 Kilogramm entspricht. Da stellt sich schnell die Frage: Wohin mit dem ganzen Müll? Die sinnvollste Alternative stellt das Kunststoff Recycling dar, denn auf diese Weise lassen sich bereits verbrauchte Ressourcen sinnvoll wiederverwerten. Tatsächlich werden aber nur etwa 39 Prozent des deutschen Plastikmülls recycelt. Und was passiert mit dem Rest? Der wird entweder ins Ausland exportiert oder verbrannt. Wir erklären, warum das so ist und wie man dem Problem entgegenwirken kann.

Der Grüne Punkt: Höhepunkt in der Recyclinggeschichte

Schon Anfang der 1990er standen wir vor einem riesigen Müllproblem. Darauf reagierte man in Deutschland mit der Verpackungsverordnung, die Hersteller und Händler für die Entsorgung der Verpackungen in die Verantwortung nahm. Kurz darauf wurde der Grüne Punkt eingeführt, mit dem auf einmal alles ganz einfach schien: Plastikmüll in die gelbe Tonne werfen, einsammeln, recyceln – das war’s. Der Grüne Punkt will uns noch heute suggerieren, dass das System ein voller Erfolg ist. So heißt es auf der Website, dass 2017 knapp 1,8 Millionen Tonnen Verpackungsmüll verwertet worden seien, was umgerechnet einem Gewicht von 9.890 Blauwalen entspreche. Das scheint zunächst einmal eine ganze Menge. Vergleicht man diesen Wert aber mit den eingangs genannten Zahlen, wird schnell deutlich, dass in der Wiederverwertung von Plastik noch einiges an Nachholbedarf besteht.

Probleme von Recycling

Aber warum ist das so? Warum recyceln wir nur so wenig Plastikmüll? Das liegt zum einen daran, dass man Kunststoff nicht immer recyceln kann. Kunststoffe müssen zur Wiederverwertung sortenrein vorliegen. Da diese sich aber ganz leicht an die spezifischen Anforderungen der Hersteller anpassen lassen, werden sie oft untereinander gemischt oder mit anderen Stoffen versetzt. Zudem landen oft auch andere Sorten von Müll in der gelben Tonne, was den Recyclingprozess zusätzlich erschwert. Die Folge: Steigende Kosten, die die Hersteller nicht zu zahlen bereit sind. So liegt die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen europaweit bei gerade einmal sechs Prozent.

Müllverbrennungsanlagen: Fluch oder Segen?

Ein weiteres Problem sind die Müllverbrennungsanlagen, die in Folge des Deponieverbots von 2005 wie Pilze aus dem Boden schossen. Obwohl bei der Müllverbrennung enorme Schadstoffemissionen entstehen, zählt die Müllverbrennung für die Strom- und Wärmeerzeugung zu den erneuerbaren Energien. Folglich werden die Verbrennungsanlagen mit staatlichen Subventionen gefördert, was es für die Verantwortlichen deutlich attraktiver macht, den Müll einfach zu verbrennen statt zu recyceln. So heißt es in einem Artikel des unabhängigen Mediennetzwerks Euractiv sogar, dass sich unter den verbrannten Abfällen Tonnen an bereits recycelten Kunststoffen befänden, für die man in der EU einfach keine Abnehmer gefunden habe. Und auch die energetische Ausbeute ist eher spärlich. Da viele der Müllverbrennungsanlagen veraltet und nicht dazu imstande sind, die entstehende Energie ausreichend zu nutzen, werden durchschnittlich lediglich 50 Prozent Energie gewonnen. Dass man die Müllverbrennung dennoch mit anderen erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser und Sonne gleichsetzt, scheint da schon fast ironisch.

Müllverbrennung in der Müllverbrennungsanlage (MVA) in Oberhausen

Müllvermeidung statt -wiederverwertung

Dabei steht das Recycling in der Abfallhierarchie vor der Müllverbrennung. Noch schlimmer ist nur die Deponierung. Dabei wird der Plastikmüll einfach auf Deponien gelagert, was besonders umweltschädlich ist, da dabei hochgiftige Substanzen freigesetzt werden. Tatsächlich steht aber auch das Recycling nicht an der Spitze der Abfallhierarchie. Darüber befinden sich noch die Wiederverwendung von Abfällen, wie es beispielsweise beim Mehrweg-System der Fall ist, und ganz oben die Müllvermeidung. Und hier zeigt sich eines der grundlegenden Probleme europäischer Umweltpolitik: Die EU versucht gegen das weltweite Plastikproblem vorzugehen, indem sie alle Plastikverpackungen bis 2030 wiederverwertbar machen will. Umweltschützer fürchten, dass die Menschen dadurch unbeschwert weiter Plastik konsumieren werden, da ihnen so vermittelt würde, dass Plastik im Prinzip nichts Schlechtes sei. Dabei ist das eigentliche Problem die enorme Müllmenge, die auch in Deutschland immer weiter wächst. Philipp Sommer, Spezialist für Kreislaufwirtschaft von der Deutschen Umwelthilfe, kritisiert genau das:

„Das Verpackungsgesetz stützt sich nur aufs Recycling. Dabei ist das eigentliche Problem der irre Ressourcenverbrauch. Bei der Vermeidung und der Wiederverwendung passiert momentan gar nichts, da müssten wir aber aus ökologischer Sicht hin.“

Und auch wenn die Politik das noch nicht erkannt zu haben scheint, so kann doch jeder seinen Teil für eine sauberere Umwelt beitragen – indem wir mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen bewusster umgehen und Kunststoffverpackungen so gut es geht aus unserem Leben streichen. Im Plastikalternative-Ratgeber finden Sie wertvolle Tipps und Anregungen für ein Leben ohne Plastik.


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