grüne Mehrweg Plastikflaschen im Vordergrund, orange Flaschen dahinter

Einweg vs. Mehrweg

Wie schlecht ist die Ökobilanz von Plastikflaschen wirklich?

Mit der Einführung der Pfandpflicht in Deutschland Anfang 2003 wollte man den hohen Einweganteil im Getränkeflaschenverkauf Einhalt gebieten. Dieses Ziel wurde aber weit verfehlt. So steigt der Anteil der Plastikflaschen seitdem kontinuierlich. Waren es im Jahr 2004 immerhin noch 66%, wurden 2016 nur noch knapp 44% aller Getränkeflaschen in der Mehrweg-Variante verkauft. Experten sehen einen direkten Zusammenhang mit den wachsenden Marktanteilen der großen Discounter wie Aldi und Lidl. Diese verkaufen alkoholfreie Erfrischungsgetränke fast ausschließlich in Einwegflaschen. Nur in Ausnahmefällen geschieht es, dass man im Discounter mal über eine Mehrwegflasche stolpert. Das betrifft insbesondere Mineralwasser. Dabei sind PET-Einwegflaschen enorm umweltschädlich.

Verbrauchern fällt es schwer, Einweg von Mehrweg zu unterscheiden

Das Problem: Nicht jeder weiß, dass eine bepfandete Flasche nicht automatisch dem Mehrwegsystem zuzurechnen ist. Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels argumentiert, dass gut die Hälfte aller Verbraucher nicht dazu in der Lage sei, Einweg von Mehrweg zu unterscheiden. So würden viele das Pfandsystem mit Mehrweg gleichsetzen. Dabei lassen sich Einwegflaschen relativ gut an dem gesetzlichen Pfand in Höhe von 25 Cent erkennen. Das Pfand für Mehrwegflaschen liegt hingegen meist bei 8 bzw. 15 Cent pro Flasche. Teilweise sind die Flaschen mit dem Symbol „Mehrweg – Für die Umwelt“ oder dem Blauen Engel gekennzeichnet. Zudem sind Getränkeverkäufer seit dem 1. Januar 2019 dazu verpflichtet, am jeweiligen Regal auszuweisen, ob es sich um Einweg oder Mehrweg handelt. Umweltschützer sind der Meinung, dass das nicht ausreicht. Sie fordern zusätzlich die eindeutige Beschriftung an jeder Flasche.

Doch auch zwischen Mehrwegflaschen gibt es Unterschiede. Darunter fallen nämlich sowohl Glas- als auch Plastikflaschen. Mehrweg- lässt sich gut an der Materialdicke von Einwegplastik unterscheiden. So ist Mehrwegplastik fest und stabil, während man die Einwegvariante leicht mit den bloßen Händen zerdrücken kann. Doch wie ist es um die Ökobilanz der verschiedenen Pfandsysteme bestellt?

Was ist die Ökobilanz?

Die Ökobilanz betrachtet den gesamten Lebensweg von Produkten hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt. Dabei finden Rohstoffgewinnung und Herstellung genauso Beachtung wie die Verarbeitung, die Transportwege und die Entsorgung. Wichtige Kennzahlen, die beim Vergleich der einzelnen Produkte Beachtung finden, sind Energieverbrauch, Treibhauseffekt, Versauerung und Flächennutzung bei Infrastruktur und Ablagerung von Reststoffen. Im Falle der Getränkeflaschen wird nur die Flasche selbst berücksichtigt, nicht ihr Inhalt.

Klarer Verlierer: Die Einwegflasche

Bei der Betrachtung der Ökobilanz bei Getränkeflaschen gibt es einen klaren Verlierer: die PET-Einwegflasche. Das liegt größtenteils an der schlechten Wiederverwendbarkeit. So werden Einwegflaschen aus Plastik zwar auch gesammelt und gewaschen, ein vollständiges Recycling findet aber nur in den seltensten Fällen statt. Im üblichen Recyclingverfahren werden die Flaschen geschreddert, eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet, das meist nur schwer verwertbar ist und allenfalls für die Produktion von Textilfasern, Taschen oder Zeltplanen dient. Gerade einmal 25% der recycelten Flaschen gehen tatsächlich in die Herstellung neuer Plastikflaschen.

Auch die Herstellung auf Erdöl-Basis und lange Transportwege tragen zur schlechten Ökobilanz der PET-Einwegflasche bei. Das ist zu einem Großteil den Vertriebsstrukturen der Discounter zuzuschreiben. Diese beziehen ihr Wasser nämlich nur in den seltensten Fällen aus der Region. Abgezapft in zentralen Großabfüllanlagen legen diese auf ihrem Weg von der Herstellung in die Filialen bis zum Kunden und schließlich zur Entsorgung durchschnittlich 482 Kilometer zurück. Lesen Sie hier mehr über den Weg der Plastikflasche – von der Produktion bis zur Entsorgung.

Ökobilanz abhängig von Flaschengröße und Transport

Da ist es um die Mehrwegflasche schon deutlich besser bestellt. So können PET-Mehrwegflaschen maximal 25 Mal wiederbefüllt werden, Mehrwegflaschen aus Glas sogar bis zu 50 Mal. Überlegen ist die Glasvariante der Plastikflaschen dennoch nicht, im Gegenteil. Denn obwohl die Mehrweg-PET weniger oft befüllt werden kann und sich schwerer recyceln lässt, gilt diese trotzdem als umweltfreundlicher. Das liegt an dem höheren Gewicht der Glasflaschen. Wirft man einen Blick auf die Transportwege, legen beide Varianten ähnlich weite Strecken zurück, nämlich durchschnittlich 250 Kilometer. Da die Glasflasche schwerer ist, fallen dabei aber automatisch mehr Transportemissionen an als bei den leichten Plastikflaschen. Noch deutlicher wird der Unterschied bei zunehmender Flaschengröße. Während die Unterschiede in der 0,5 l Variante eher marginal ausfallen, ergibt sich bei der 1,0 l Flasche bereits ein deutlicher Vorteil für Mehrweg-PET. Somit stellt diese insgesamt das ökologisch günstigste Verpackungssystem dar.

Wasser aus der Region – oder aus der Leitung

Ein Problem bleibt jedoch: Der Konsum aus Plastikflaschen kann nämlich gesundheitliche Folgen für den Menschen haben und das trifft auf Mehrweg-PET genauso zu wie auf Einwegflaschen. In Studien ist immer wieder von Chemikalien, hormonähnlichen Stoffen und Mikroplastik die Rede, die von der Flasche ins Wasser übergehen können. Es herrscht jedoch innerhalb der Forschung Uneinigkeit darüber, welche Auswirkungen das auf unsere Gesundheit hat und wie gefährlich diese Stoffe wirklich für uns sind. Wer kein unnötiges Risiko eingehen will, sollte also doch zur Glasflasche greifen. Wenn die Getränke aus der Region stammen, halten sich die Transportemissionen auch in Grenzen.

Mensch füllt sich Glas mit LeitungswasserNoch besser wäre es allerdings, wenn Sie anstelle von gekauftem Wasser zu Leitungswasser greifen würden. Das hat nicht nur die mit Abstand beste Ökobilanz, sondern auch eine hervorragende Qualität. Leitungswasser wird hierzulande nämlich regelmäßig den strengen Tests der Trinkwasserverordnung unterzogen, was es zu dem am besten überwachten Lebensmittel in Deutschland macht. Damit übertrifft die Qualität unseres Leitungswassers das des Mineralwassers aus der Flasche noch deutlich und das zu einem unschlagbar günstigen Preis. Wer nicht auf die Kohlensäure verzichten mag, kann sich diese auch ganz einfach selbst mit einem Wassersprudler ins Leitungswasser zaubern.

Würden wir es tatsächlich schaffen, alkoholfreie Getränke zukünftig nur noch in Mehrwegverpackungen abzufüllen, könnten wir nicht nur eine Menge Plastikmüll, sondern auch mehr als 1,25 Millionen Tonnen CO2 einsparen.  Mehrwegsysteme sind dazu in der Lage, einen beachtlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Die Umsetzung wäre nicht einmal besonders schwer – wir müssen es nur wollen.


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