Cafés ohne Plastik Berlin

Zu Gast bei: The Juicery Berlin

Bei der Juicery in Berlin gibt es alles, was die Herzen von Smoothie- und Saftliebhabern höher schlagen lässt. Der kleine Laden ist voll gepackt mit frischem Obst und Gemüse, das vor den Augen der Kunden zu leckeren Säften gepresst wird – und dann in Plastikbechern abgefüllt über die Theke wandert. In Plastikbechern? Moment.

Sedi – der Gründer der Juicery – achtet nicht nur darauf, dass das Obst und Gemüse für die Säfte aus biologischem Anbau kommt – auch für die Verpackung hat er sich etwas überlegt. Statt herkömmlichem Plastik wird in der Juicery das Bioplastik PLA benutzt. „Wenn man sich gesund ernähren möchte und gesunde Dinge verkaufen möchte, dann wäre es ein Widerspruch in sich wenn man das nicht machen würde“, sagt er. Ganz auf Verpackungen zu verzichten sei in der Juicery nicht möglich und für ein Pfandsystem sei der Laden zu klein. „Wir haben im Moment keine Kapazitäten ein geeignetes Spülsystem einzurichten. Wenn wir nicht sicherstellen können, dass die Pfandbecher professionell gereinigt werden, ist es für uns einfacher auf Bioplastik statt auf Pfand zu setzen“.

Immer gern gesehen ist es aber, wenn die Kunden ihre eigenen Behältnisse mitbringen. Denn, dass das Bioplastik noch nicht die endgültige Lösung für eine nachhaltige Verpackung sein kann, weiß auch Sedi. „Es ist nicht alles Gold was glänzt“, sagt er. Die Rohstoffe – in diesem Fall Mais – müssen weite Transportwege zurücklegen, um hier auf dem deutschen Markt genutzt zu werden. Die damit verbundenen CO2-Emissionen schaden der Umwelt – genau das was man mit dem Verzicht auf normales Plastik eigentlich vermeiden möchte. Und ob die Rohstoffe aus nachhaltigem Anbau kommen, ist meist nicht nachvollziehbar.

Besser als herkömmliches Plastik sei die Biovariante dennoch, sagt Sedi. „Ich will die Natur einfach nicht zusätzlich belasten, wenn ich Produkte verkaufe, die mir die Natur gibt“. Er hoffe außerdem, dass sich die Alternativen in Zukunft noch weiter entwickeln werden. Am besten wäre es natürlich man könnte ganz auf Plastik verzichten.

Etwas teurer als herkömmliches Plastik ist das Bioplastik, das für die Juicery eingekauft wird, schon. Wenn man für einen normalen Plastikbecher etwa 10ct bezahlt, kann man für Bioplastik auf Maisstärkebasis schon Mal 20ct bezahlen. „Aber ist das ein Grund die schlechtere Variante zu wählen?“, fragt Sedi, „Ich glaube nicht“.

Den Unterschied zu normalem Plastik merkt man nicht. Die Bioplastik-Variante schmeckt nicht anders, ist nicht weniger robust als herkömmliches Plastik und sieht nicht anders aus. Manche Kunden hätten sich deshalb anfangs beschwert. Ein Laden, der auf Bio setzt und seine Produkte dann in Plastik verkauft? Das geht nicht. Wenn Sedi dann darauf hingewiesen hat, dass das kein normales Plastik ist, das die Kunden da in der Hand halten, gab es eine Menge positives Feedback.

Die EU hat ein Verbot von einigen Plastikartikeln bereits beschlossen. Zu den verbotenen Produkten gehören auch Strohhalme (Hier finden Sie eine Liste der verbotenen Produkte). Wenn das Verbot in Kraft tritt, werden sich Unternehmer Gedanken machen müssen, wie sie in Zukunft auf Plastik verzichten können. Auf alternative Einwegprodukte zurückzugreifen, ist eine Möglichkeit. Bioplastik auf Basis von Maisstärke, wie es in der Juicery genutzt wird, oder Bioplastik aus Bagasse, sind zwei der Alternativen, die sich aktuell auf dem Markt etablieren. Diese Produkte können aber nur eine Übergangslösung darstellen.

Wer der Umwelt wirklich etwas Gutes tun möchte, der muss sich Wege überlegen auf überflüssige Einwegprodukte ganz zu verzichten. Denn auch der Gebrauch von Bioplastik hat Nachteile. Ein hoher Einsatz von Ressourcen und Energie ist notwendig, um die Produkte herzustellen. Auf Nachhaltigkeit in der Produktion wird bisher nur bei den wenigsten Produkten geachtet. Außerdem sind Begrifflichkeiten zur biologischen Abbaubarkeit verwirrend – bei weitem nicht alle Bioplastikprodukte können in Kompostieranlagen tatsächlich abgebaut werden. Landen sie in der Umwelt, haben sie ähnliche Effekte wie herkömmliches Plastik. Das Umweltbundesamt konnte in einer ersten Überprüfung der Alternativen keine endgültige Verbesserung gegenüber herkömmlichem Plastik feststellen. Wer sich also für die Nutzung von Alternativen zu Plastik entscheidet, sollte zunächst prüfen, ob ein Verzicht auf die Einwegprodukte wirklich auf keinen Fall in Frage kommt.

Für Sedi ist das momentan der Fall. Die Kapazitäten für ein Pfandsystem sind nicht vorhanden und viele der Kunden möchten auf die Möglichkeit die Säfte auch mitnehmen zu können, nicht verzichten. Er ermutigt seine Kunden aber immer wieder auch eigene Gefäße mitzubringen und hofft, dass sich in Zukunft noch eine Menge entwickeln wird, damit der Verzicht auf Plastik einfacher wird.


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