Plastikmüll auf Mülldeponie - nur selten wird Plastik wirklich recycelt

Bundesregierung fordert Exportverbot für Plastikmüll


Deutschland will den Export von unsortiertem Plastikmüll weltweit verbieten lassen. Das verkündete Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Auftakt internationaler Verhandlungen in Genf. Zwei Wochen lang beraten dort die Vertragsstaaten des Basler Übereinkommens noch bis zum 10. Mai über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Abfallversorgung. Nachdem China Anfang 2018 ein Import-Verbot von Plastikmüll ausgesprochen hatte, war Deutschlands Recyclingsystem zunehmend in die Kritik geraten. Ein Greenpeace-Report zeigt: Der Müll landet nun in nahe gelegenen südostasiatischen Ländern. Wir finden: Das muss ein Ende haben!

Deutschlands Müllexporte: Von wegen Weltmeister

Offiziellen Angaben zufolge werden in Deutschland knapp 70 Prozent des anfallenden Mülls recycelt. Beim Plastikmüll sind es immerhin noch 39 Prozent. Nicht umsonst stellt sich die Bundesrepublik gerne als „Recycling-Weltmeister“ dar. Dass dieser Titel aber eigentlich auch für die Tonne ist, wird klar, wenn man einen Blick auf den Müllexport wirft. Tatsächlich exportiert Deutschland jedes Jahr mehr als eine Million Tonnen Plastikmüll ins Ausland, was etwa einem Zehntel des Gesamtaufkommens entspricht. Damit befindet sich Deutschland unter den Top 3 der Länder mit den meisten Müllexporten. Nur die USA und Japan beförderten mehr Müll ins Ausland. Nur weil wir die Probleme nicht mehr im eigenen Land vorfinden, sind diese aber noch lange nicht aus der Welt. Das wurde mit dem Import-Verbot von Plastikmüll in China mehr als deutlich.

Große Teile von unserem Plastikmüll landen in Südostasien und belasten dort die Gesundheit der lokalen Bevölkerung.

Südostasien versinkt im Plastikmüll

Während China in der Folge seinen Import von Plastikmüll von 600.000 Tonnen in 2016 auf konstant 30.000 Tonnen monatlich seit Anfang 2018 reduzieren konnte, versinkt Südostasien seitdem im Plastikmüll. Besonders hart trifft es Malaysia, Thailand und Vietnam. So verdreifachte sich der Kunststoffimport alleine in Malaysia in nur zwei Jahren auf unglaubliche 870.000 Tonnen. Im freien Handel sind diese Exporte eigentlich nur zu Recycling-Zwecken erlaubt. Recherchen zufolge sollen sich aber auch unsortierte und schwer recycelbare Kunststoffgemische unter den exportierten Plastikabfällen befinden und davon auch solche aus Deutschland.

In Südostasien angekommen werden diese oft einfach auf brachliegenden Grundstücken und am Rand landwirtschaftlicher Nutzflächen abgeladen oder unter freiem Himmel verbrannt. Die daraus resultierenden gesundheitlichen Risiken für Mensch und Natur sind enorm. So rufen die Schadstoffe, die dabei freigesetzt werden, nicht selten Atemwegserkrankungen bei der lokalen Bevölkerung hervor. Zwar ist auch in Malaysia die gesundheits- und umweltschädliche Entsorgung von Plastikmüll gesetzeswidrig. Daran halten sich aber spätestens seit dem Import-Stopp Chinas nur die wenigsten.

Weltweites Exportverbot

In Genf versuchen die Delegierten nun eine Lösung für das Problem zu finden. In diesem Zusammenhang betonte Schulze, dass Deutschland sich bereits jetzt dafür einsetze, dass weltweit nur noch saubere und sortenreine Plastikabfälle frei gehandelt werden dürfen, es aber bislang noch an der Umsetzung hapere. Mit einem Exportverbot für unsortierte Plastikabfälle soll das zukünftig ein Ende haben. Damit würde Deutschland sich Norwegens Vorschlag, schwer recycelbaren Plastikmüll zu den gefährlichen Abfällen zu zählen, anschließen.

Plastik reduzieren: Jeder kann helfen

Fraglich bleibt, inwiefern ein solches Exportverbot wirklich den gewünschten Effekt erzielen kann. Schon jetzt sind mangelnde Kontrollen einer der Hauptgründe dafür, dass so große Mengen an nicht wiederverwendbarem Plastikmüll auf illegalem Wege ins Ausland gelangen. Zudem wird sich die weltweite Plastikkrise wohl kaum dadurch stoppen lassen, dass man den einzelnen Nationen die Ausfuhr ins Ausland verbietet. Experten sind sich sicher, dass sich das weltweite Plastikproblem nur eindämmen lässt, wenn in Zukunft weniger Plastik produziert wird. Aus diesem Grund sind Nahrungsmittelkonzerne und Supermärkte dazu angehalten, zunehmend auf Einwegverpackungen zu verzichten. Aber auch jeder Einzelne von uns kann dazu beitragen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen – mit einem durchdachten, nachhaltigen Plastikkonsum. In unserem Ratgeber finden Sie zahlreiche Anregungen und Tipps, wie Sie einen plastikfreien Alltag in Beruf und Privatleben meistern können.


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